Unternehmer sein auf einer Insel: Spaß und Stress gratis

Unternehmer sein auf einer Insel: Spaß und Stress gratis

Kolumne aus „Nat Zand“, Juli 2026

Unternehmer sein ist Spitzensport, aber Unternehmer sein auf einer Insel? Das ist Spitzensport mit einem Hindernisparcours aus Ebbe, Flut und logistischen Rätseln. Ein paar „Spaßfaktoren“ bekommt man dabei ganz umsonst dazu.

Nehmen Sie zum Beispiel unsere neuen Matratzen. Weil es schnell gehen musste, haben wir sie online bestellt. Um 07:00 Uhr morgens klingelte das Telefon. Ein verzweifelter Fahrer aus der Randstad: „Ich stehe hier vor einem riesigen Wasser und komme nicht weiter!“ Stimmt, Ameland ist eine Insel; an der Zugbrücke arbeiten wir noch, aber vorerst ist das Schiff die einzige Möglichkeit. Der gute Mann wusste nicht, wie ihm geschah.

Und dann unsere fünfzig neuen Frühstücksstühle. Laut Lieferant waren sie ordnungsgemäß zugestellt, aber unser Hof war leerer als der Strand im November. Was war passiert? Der Spediteur hatte die Watteninseln in einen Topf geworfen. „Ups, wir haben sie versehentlich bei einem großen Kunden auf Terschelling abgeladen.“ Nach einer touristischen Route über Harlingen und Holwerd kamen die Stühle, kurz vor dem Osteransturm, endlich „nach Hause“.

Heutzutage sind wir auch eine Art inoffizielles Reisebüro. Wenn spätabends eine begeisterte Last-Minute-Buchung eingeht, rufen wir grundsätzlich kurz zurück: „Schön, dass Sie kommen, aber sind Sie schon auf der Insel? Das letzte Schiff ist nämlich schon weg.“ Manchmal ist es dann am anderen Ende der Leitung kurz still, gefolgt von einem tiefen Seufzer und einer Stornierung. Erdkunde bleibt eben ein Fach für sich.

Weniger „Spaß“ macht der vergessene Autoschlüssel. Das passiert öfter, als man denkt. Unsere Gäste lassen sich schon herrlich auf der Fähre den Wind um die Nase wehen, während ihr Autoschlüssel noch sicher in der Küchenschublade oder auf dem Nachttisch schlummert. Sobald unsere Reinigungskräfte den „Fund des Tages“ melden, beginnt der Wettlauf gegen die Uhr. Wir rasen zum Hafen, um den Schlüssel mit dem nächsten Schiff mitzuschicken.

Und dann gibt es noch die „Inselbabys“. Wenn eine hochschwangere Gästin eincheckt, schlafen auch wir etwas leichter. Mehr als einmal haben wir werdende Eltern mit dem ersten Morgenschiff aufs „Festland“ flüchten sehen. Manchmal wird sogar der Hubschrauber oder das Rettungsboot gebraucht. Ein frischgebackener Vater rief uns einmal zutiefst entschuldigend an: Die Wohnung sei nicht ordentlich hinterlassen worden, und wir dürften den Inhalt des Kühlschranks als Trost behalten.

Früher war eine Geburt auf dem Wattenmeer übrigens ein bürokratischer Albtraum; weil das Meer zu keiner friesischen Gemeinde gehörte, musste der Vater bis nach Den Haag fahren, um die Geburt anzumelden. Zum Glück ist das heute besser geregelt, auch wenn eine Geburt zwischen den Sandbänken das ultimative Ameland-Souvenir bleibt.

Manchmal fordert jemand einen Deich oder einen Tunnel nach Ameland. Das würde all diese Situationen um einiges einfacher machen, das stimmt. Aber lassen Sie uns das bitte nicht tun. Ameland ist der „Wattendiamant“, gerade weil wir von Sand und Meer umgeben sind. Die paar vermissten Stühle und gestrandeten Fahrer nehmen wir dafür gern in Kauf.