Kennen Sie die schöne Sendung ‘Hello Goodbye’? Joris Linssen spricht darin am Flughafen Schiphol mit Menschen, die auf ihre Liebsten warten. Daraus entstehen bewegende und manchmal lustige Geschichten. Ich habe das Privileg, das jeden Tag in unserem Ferienbetrieb auf Ameland zu erleben. Oft werde ich gefragt: Die Arbeit in der Gastronomie ist doch knochenhart, wie hält man das durch? Die Antwort ist einfach: Die Begegnungen mit Menschen aus allen Ecken der Niederlande und darüber hinaus bereiten so viel Freude und geben Einblicke über die eigene ‘Blase’ hinaus. Von Amsterdamer Hippies über bodenständige Groninger Landwirte bis zu vornehmen Leuten aus dem Gooi. Alle mit ihren eigenen Geschichten, Annahmen und Wünschen. „Wir haben Frühstück inklusive, aber übernehmen Sie auch das Frühstück für unseren Hund? Davon sind wir nämlich ausgegangen.“ Herrlich, auf solche Fragen eine passende Antwort zu finden und dass es dann trotzdem gemütlich bleibt… Und das Schöne ist, dass alle in Urlaubs- statt in Beerdigungsstimmung sind.
Manche sind offensichtlich Fans der Fernsehsendung Bed & Breakfast und überlegen wirklich mit, wie alles noch besser werden kann. Sobald die neue Staffel im Fernsehen beginnt, steigt die Zahl der Listen mit gut gemeinten Ratschlägen drastisch. Beim Auschecken kommt man mit einem ganzen Arsenal handgeschriebener Übersichten darüber, was ihrer Meinung nach wirklich anders werden muss: „Wir haben eine Zitronenpresse vermisst“. Aha… im Ernst? Ja, todernst. Neugierig nehme ich alle Listen in mich auf. Manchmal mit einem inneren Schmunzeln darüber, was die Leute so alles raten. Sehr lieb, aber wären Sie in der Zeit hier auf der Insel nicht lieber an den Strand gegangen?
Aber auch das Empfangen von Stammgästen, die Jahr für Jahr kommen, macht glücklich. So macht Dorothee schon seit Jahrzehnten Urlaub in unserem Familienbetrieb. Seit 40 Jahren bringt sie traditionell leckere deutsche Schokoladenkekse mit. Schon als Kleinkind freute sich mein Mann deshalb auf ihre Ankunft. Inzwischen ist er 45 Jahre alt, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Sie hilft unseren Söhnen bei den Deutschhausaufgaben und führt unseren Hund aus, wenn wir an einem Wechseltag viel zu tun haben.
Manche Stammgäste fühlen sich also wirklich wie Familie an. Man sieht ihre Kinder aufwachsen, und wenn diese dann selbst eine Familie gründen, kommen auch sie an die vertraute Urlaubsadresse. Das fühlt sich doch sehr reich an?! Wir fühlen mit ihnen mit, denn in jedem Leben gibt es ‘Gute Zeiten, schlechte Zeiten’, um noch eine Sendung ins Spiel zu bringen. Zum Beispiel Paare, die jahrelang zusammen kamen und dann plötzlich allein einchecken, weil sie nach einer Scheidung oder einem Todesfall allein weitermachen müssen. Dann fließen an der Rezeption natürlich Tränen, und wir geben uns besonders viel Mühe, daraus eine wertvolle Zeit auf Ameland zu machen! Der Tourist ist für die Unternehmer auf der Insel also neben einer Einnahmequelle auch eine ‘Glücksmaschine’, die unser Leben bereichert. Zumindest für mich.

