Finden Sie die 10 Unterschiede

Finden Sie die 10 Unterschiede

Kolumne aus "Nat Zand" Juli 2024

Finden Sie die 10 Unterschiede…

„Du wohnst auf Ameland und fährst in deinem einzigen Urlaub des Jahres ernsthaft auf eine andere Watteninsel?“ Aber sicher! Nicht, weil wir Angst hätten, einen anderen Kontinent zu entdecken, sondern gerade weil wir sehr neugierig auf die anderen Teile des Weltnaturerbes Wattenmeer sind.  Wir besuchten fünf deutsche Inseln, und der Unterschied erwies sich als deutlich größer als nur ein anderer Leuchtturm.

So fühlten wir uns als Vierzigjährige auf Norderney blutjung! Elektromobile und Rollatoren standen vor fast jedem ‚Kaffee & Kuchen-Café‘. Die deutschen Watteninseln werden gern von älteren Menschen besucht, um dort zu ‚kuren‘. Krankenversicherungen investieren kräftig, damit sich die Patienten in der gesunden Meeresluft erholen. Aber ganz ehrlich: Das Essen dort ist etwas weniger gesund.

Wir fühlten uns dort schlank, die anderen Besucher erwiesen sich als echte Genießer. Pommes und Bratwurst waren fast überall ‚der Standard‘, und Salz wird wie Puderzucker verwendet, nicht zu sparsam, sagen wir mal. Aber halten Sie Ihre Pommesschale auf der Insel Helgoland gut fest, denn… 50 Euro Bußgeld, wenn die Seevögel Ihnen die Schale wegschnappen und alles auf der Straße landet!

Die kulturellen Unterschiede waren amüsant und sind schon für sich ein Grund, die Inseln unserer östlichen Nachbarn einmal zu besuchen. Während wir in den Niederlanden Gästen einfach eine Paracetamol geben, ist das in einem Restaurant auf Langeoog ein echtes ‚No-Go‘. Der Mitarbeiter ging die Sache ganz vorschriftsmäßig an: „Wir dürfen keine Medikamente ausgeben, dafür müssen Sie in die Apotheke gehen.“ Das ist natürlich auch der richtige Weg, aber wir ‚Holländer‘ mussten uns an diese formellen Antworten erst einmal gewöhnen. Hier wurde ganz offensichtlich über alles nachgedacht. Man muss nur alle Warnschilder befolgen, und schon ist man sicher.

Die Schilder sind auch nicht zu übersehen, denn sie tragen deutliche Piktogramme von ertrinkenden oder stürzenden Menschen an einer Brücke oder am Strand. Oft zusätzlich verdeutlicht mit Text in dicken Buchstaben, Ausrufezeichen, grellen Farben und natürlich alle paar Meter den nötigen Wiederholungsschildern. Zurück auf Ameland denkt man dann doch: Bin ich hier überhaupt sicher? Wer denkt hier mit mir mit, wo ich gehen soll oder was ich darf und was nicht? Die Ostfriesen konnten wir einigermaßen verstehen, die Sprache ähnelt auch in der Schrift dem Friesischen. Aber wussten Sie, dass mein 2 Meter großer Sohn an der ostfriesischen Küste in fast jedem Türrahmen, Bett und Badezimmer feststeckte? Die Bewohner der Region hier ganz in der Nähe sind offenbar längst nicht so groß wie die Friesen und die Groninger!

Ich verrate keine weiteren überraschenden Unterschiede, rate aber allen, sich auch einmal weiter im Wattengebiet umzusehen. Man muss wirklich nicht nach Brasilien fliegen, um nette kulturelle Unterschiede zu erleben! Und die überschwänglichen Ausrufezeichen, um der Sache Nachdruck zu verleihen, habe ich gern mit nach Hause genommen: Die behalten wir bei (!).