Unternehmer sein auf einer Insel: Spaß und Stress gratis

Unternehmer sein auf einer Insel: Spaß und Stress gratis

Kolumne aus „Nat Zand“, Juli 2026

Unternehmer sein ist Spitzensport, aber Unternehmer sein auf einer Insel? Das ist Spitzensport mit einem Hindernisparcours aus Ebbe, Flut und logistischen Rätseln. Ein paar „Spaßfaktoren“ bekommt man dabei ganz umsonst dazu.

Nehmen Sie zum Beispiel unsere neuen Matratzen. Weil es schnell gehen musste, haben wir sie online bestellt. Um 07:00 Uhr morgens klingelte das Telefon. Ein verzweifelter Fahrer aus der Randstad: „Ich stehe hier vor einem riesigen Wasser und komme nicht weiter!“ Stimmt, Ameland ist eine Insel; an der Zugbrücke arbeiten wir noch, aber vorerst ist das Schiff die einzige Möglichkeit. Der gute Mann wusste nicht, wie ihm geschah.

Und dann unsere fünfzig neuen Frühstücksstühle. Laut Lieferant waren sie ordnungsgemäß zugestellt, aber unser Hof war leerer als der Strand im November. Was war passiert? Der Spediteur hatte die Watteninseln in einen Topf geworfen. „Ups, wir haben sie versehentlich bei einem großen Kunden auf Terschelling abgeladen.“ Nach einer touristischen Route über Harlingen und Holwerd kamen die Stühle, kurz vor dem Osteransturm, endlich „nach Hause“.

Heutzutage sind wir auch eine Art inoffizielles Reisebüro. Wenn spätabends eine begeisterte Last-Minute-Buchung eingeht, rufen wir grundsätzlich kurz zurück: „Schön, dass Sie kommen, aber sind Sie schon auf der Insel? Das letzte Schiff ist nämlich schon weg.“ Manchmal ist es dann am anderen Ende der Leitung kurz still, gefolgt von einem tiefen Seufzer und einer Stornierung. Erdkunde bleibt eben ein Fach für sich.

Weniger „Spaß“ macht der vergessene Autoschlüssel. Das passiert öfter, als man denkt. Unsere Gäste lassen sich schon herrlich auf der Fähre den Wind um die Nase wehen, während ihr Autoschlüssel noch sicher in der Küchenschublade oder auf dem Nachttisch schlummert. Sobald unsere Reinigungskräfte den „Fund des Tages“ melden, beginnt der Wettlauf gegen die Uhr. Wir rasen zum Hafen, um den Schlüssel mit dem nächsten Schiff mitzuschicken.

Und dann gibt es noch die „Inselbabys“. Wenn eine hochschwangere Gästin eincheckt, schlafen auch wir etwas leichter. Mehr als einmal haben wir werdende Eltern mit dem ersten Morgenschiff aufs „Festland“ flüchten sehen. Manchmal wird sogar der Hubschrauber oder das Rettungsboot gebraucht. Ein frischgebackener Vater rief uns einmal zutiefst entschuldigend an: Die Wohnung sei nicht ordentlich hinterlassen worden, und wir dürften den Inhalt des Kühlschranks als Trost behalten.

Früher war eine Geburt auf dem Wattenmeer übrigens ein bürokratischer Albtraum; weil das Meer zu keiner friesischen Gemeinde gehörte, musste der Vater bis nach Den Haag fahren, um die Geburt anzumelden. Zum Glück ist das heute besser geregelt, auch wenn eine Geburt zwischen den Sandbänken das ultimative Ameland-Souvenir bleibt.

Manchmal fordert jemand einen Deich oder einen Tunnel nach Ameland. Das würde all diese Situationen um einiges einfacher machen, das stimmt. Aber lassen Sie uns das bitte nicht tun. Ameland ist der „Wattendiamant“, gerade weil wir von Sand und Meer umgeben sind. Die paar vermissten Stühle und gestrandeten Fahrer nehmen wir dafür gern in Kauf.

‘Hello Goodbye’ auf Ameland…

‘Hello Goodbye’ auf Ameland…

Kolumne aus "Nat Zand", Juli 2025

Kennen Sie die schöne Sendung ‘Hello Goodbye’? Joris Linssen spricht darin am Flughafen Schiphol mit Menschen, die auf ihre Liebsten warten. Daraus entstehen bewegende und manchmal lustige Geschichten. Ich habe das Privileg, das jeden Tag in unserem Ferienbetrieb auf Ameland zu erleben. Oft werde ich gefragt: Die Arbeit in der Gastronomie ist doch knochenhart, wie hält man das durch? Die Antwort ist einfach: Die Begegnungen mit Menschen aus allen Ecken der Niederlande und darüber hinaus bereiten so viel Freude und geben Einblicke über die eigene ‘Blase’ hinaus. Von Amsterdamer Hippies über bodenständige Groninger Landwirte bis zu vornehmen Leuten aus dem Gooi. Alle mit ihren eigenen Geschichten, Annahmen und Wünschen. „Wir haben Frühstück inklusive, aber übernehmen Sie auch das Frühstück für unseren Hund? Davon sind wir nämlich ausgegangen.“ Herrlich, auf solche Fragen eine passende Antwort zu finden und dass es dann trotzdem gemütlich bleibt… Und das Schöne ist, dass alle in Urlaubs- statt in Beerdigungsstimmung sind.

Manche sind offensichtlich Fans der Fernsehsendung Bed & Breakfast und überlegen wirklich mit, wie alles noch besser werden kann. Sobald die neue Staffel im Fernsehen beginnt, steigt die Zahl der Listen mit gut gemeinten Ratschlägen drastisch. Beim Auschecken kommt man mit einem ganzen Arsenal handgeschriebener Übersichten darüber, was ihrer Meinung nach wirklich anders werden muss: „Wir haben eine Zitronenpresse vermisst“. Aha… im Ernst? Ja, todernst. Neugierig nehme ich alle Listen in mich auf. Manchmal mit einem inneren Schmunzeln darüber, was die Leute so alles raten. Sehr lieb, aber wären Sie in der Zeit hier auf der Insel nicht lieber an den Strand gegangen?

Aber auch das Empfangen von Stammgästen, die Jahr für Jahr kommen, macht glücklich. So macht Dorothee schon seit Jahrzehnten Urlaub in unserem Familienbetrieb. Seit 40 Jahren bringt sie traditionell leckere deutsche Schokoladenkekse mit. Schon als Kleinkind freute sich mein Mann deshalb auf ihre Ankunft. Inzwischen ist er 45 Jahre alt, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch. Sie hilft unseren Söhnen bei den Deutschhausaufgaben und führt unseren Hund aus, wenn wir an einem Wechseltag viel zu tun haben.

Manche Stammgäste fühlen sich also wirklich wie Familie an. Man sieht ihre Kinder aufwachsen, und wenn diese dann selbst eine Familie gründen, kommen auch sie an die vertraute Urlaubsadresse. Das fühlt sich doch sehr reich an?! Wir fühlen mit ihnen mit, denn in jedem Leben gibt es ‘Gute Zeiten, schlechte Zeiten’, um noch eine Sendung ins Spiel zu bringen. Zum Beispiel Paare, die jahrelang zusammen kamen und dann plötzlich allein einchecken, weil sie nach einer Scheidung oder einem Todesfall allein weitermachen müssen. Dann fließen an der Rezeption natürlich Tränen, und wir geben uns besonders viel Mühe, daraus eine wertvolle Zeit auf Ameland zu machen! Der Tourist ist für die Unternehmer auf der Insel also neben einer Einnahmequelle auch eine ‘Glücksmaschine’, die unser Leben bereichert. Zumindest für mich.

Finden Sie die 10 Unterschiede

Finden Sie die 10 Unterschiede

Kolumne aus "Nat Zand" Juli 2024

Finden Sie die 10 Unterschiede…

„Du wohnst auf Ameland und fährst in deinem einzigen Urlaub des Jahres ernsthaft auf eine andere Watteninsel?“ Aber sicher! Nicht, weil wir Angst hätten, einen anderen Kontinent zu entdecken, sondern gerade weil wir sehr neugierig auf die anderen Teile des Weltnaturerbes Wattenmeer sind.  Wir besuchten fünf deutsche Inseln, und der Unterschied erwies sich als deutlich größer als nur ein anderer Leuchtturm.

So fühlten wir uns als Vierzigjährige auf Norderney blutjung! Elektromobile und Rollatoren standen vor fast jedem ‚Kaffee & Kuchen-Café‘. Die deutschen Watteninseln werden gern von älteren Menschen besucht, um dort zu ‚kuren‘. Krankenversicherungen investieren kräftig, damit sich die Patienten in der gesunden Meeresluft erholen. Aber ganz ehrlich: Das Essen dort ist etwas weniger gesund.

Wir fühlten uns dort schlank, die anderen Besucher erwiesen sich als echte Genießer. Pommes und Bratwurst waren fast überall ‚der Standard‘, und Salz wird wie Puderzucker verwendet, nicht zu sparsam, sagen wir mal. Aber halten Sie Ihre Pommesschale auf der Insel Helgoland gut fest, denn… 50 Euro Bußgeld, wenn die Seevögel Ihnen die Schale wegschnappen und alles auf der Straße landet!

Die kulturellen Unterschiede waren amüsant und sind schon für sich ein Grund, die Inseln unserer östlichen Nachbarn einmal zu besuchen. Während wir in den Niederlanden Gästen einfach eine Paracetamol geben, ist das in einem Restaurant auf Langeoog ein echtes ‚No-Go‘. Der Mitarbeiter ging die Sache ganz vorschriftsmäßig an: „Wir dürfen keine Medikamente ausgeben, dafür müssen Sie in die Apotheke gehen.“ Das ist natürlich auch der richtige Weg, aber wir ‚Holländer‘ mussten uns an diese formellen Antworten erst einmal gewöhnen. Hier wurde ganz offensichtlich über alles nachgedacht. Man muss nur alle Warnschilder befolgen, und schon ist man sicher.

Die Schilder sind auch nicht zu übersehen, denn sie tragen deutliche Piktogramme von ertrinkenden oder stürzenden Menschen an einer Brücke oder am Strand. Oft zusätzlich verdeutlicht mit Text in dicken Buchstaben, Ausrufezeichen, grellen Farben und natürlich alle paar Meter den nötigen Wiederholungsschildern. Zurück auf Ameland denkt man dann doch: Bin ich hier überhaupt sicher? Wer denkt hier mit mir mit, wo ich gehen soll oder was ich darf und was nicht? Die Ostfriesen konnten wir einigermaßen verstehen, die Sprache ähnelt auch in der Schrift dem Friesischen. Aber wussten Sie, dass mein 2 Meter großer Sohn an der ostfriesischen Küste in fast jedem Türrahmen, Bett und Badezimmer feststeckte? Die Bewohner der Region hier ganz in der Nähe sind offenbar längst nicht so groß wie die Friesen und die Groninger!

Ich verrate keine weiteren überraschenden Unterschiede, rate aber allen, sich auch einmal weiter im Wattengebiet umzusehen. Man muss wirklich nicht nach Brasilien fliegen, um nette kulturelle Unterschiede zu erleben! Und die überschwänglichen Ausrufezeichen, um der Sache Nachdruck zu verleihen, habe ich gern mit nach Hause genommen: Die behalten wir bei (!).

Ameland riechen und schmecken!

Ameland riechen und schmecken!

Kolumne aus "Nat Zand" Juli 2023

Man weiß erst, was man hat, wenn man es vermisst… Seit Kurzem weiß ich, dass das auch für das Riechen und Schmecken gilt. Diese Sinne sind nämlich ‚ein bisschen kaputt‘. Zur Veranschaulichung: „Sie riechen doch selbst, dass die vorherigen Gäste im Appartement geraucht haben?“ Nun ja, nein, keine Ahnung… „Sie lassen die Croissants unseres Frühstücks im Ofen anbrennen. Riechen Sie das nicht? Die sind längst fertig!“ Leider nein. Ich stelle mir ab jetzt einfach den Timer. 


Wie bei so vielen Menschen sind auch bei mir als Folge von Long COVID Geruchs- und Geschmackssinn durcheinandergeraten. Seit gut anderthalb Jahren erlebe ich alles um mich herum anders, weil zwei Sinne nicht mehr normal mitmachen. Man gewöhnt sich daran, aber es führt manchmal auch zu seltsamen Situationen. Wo ich früher die Meeresluft herrlich genießen konnte, wirkt das Wattenmeer jetzt wie ein Bild auf dem Fernsehbildschirm, weil etwas fehlt. Oder was ist mit dem fröhlich stimmenden Hagebuttenduft in De Vleijen im Sommer? Dem blühenden Schmetterlingsflieder im Dorf oder dem typischen Geruch des Schlicks vom Meeresboden bei Niedrigwasser? Einem fehlt eine Dimension, und das ist ein Trauerprozess. Es klingt fast nach einer traurigen Kolumne, aber so ist es nicht gemeint. Im Gegenteil: Ich möchte Sie auf die Düfte und Geschmäcker der Insel und des Wattenmeeres aufmerksam machen. Denn die sind etwas ganz Besonderes. Genießen Sie sie in diesem Urlaub ganz bewusst! 


Meinen Geruchssinn vermisse ich übrigens auf Ameland mehr als in der Stadt. Diesen Verlust bemerkt man eigentlich erst, wenn man sich einen Tag lang eine Wäscheklammer auf die Nase setzt und nichts mehr riecht. Davon rate ich Ihnen aber ab. Schade um Ihren Tag. Genießen Sie lieber ganz besonders alles um Sie herum. Auch wenn Sie auf manche Gerüche vielleicht lieber verzichten würden. Diesen Vorteil haben Long-COVID-Patienten dann wiederum. Keine Ahnung, in welchem Zelt gerade Gras geraucht wird, keine Belästigung durch penetranten Grillgeruch, ein übelriechendes Sanitärgebäude oder volle Müllcontainer auf dem Campingplatz. Jeder Nachteil hat seinen Vorteil, hätte ein bekannter Fußballtrainer wohl gesagt. 


Was den Geschmack betrifft: Lassen Sie sich ruhig einmal von den schmackhaften regionalen Produkten überraschen, die Amelands Produkt zu bieten hat. Auch das Erleben von Essen ist für die Gruppe von Menschen, die mit dieser unangenehmen Sinnesbeschwerde weiterleben, völlig anders. Bei mir schmeckt Tomate nach Chlor, und die meisten Geschmäcker sind abgeflacht, sodass man Unmengen an Salz, Fett und Zucker hinzufügt. Inzwischen trage ich eine Kleidergröße mehr, aber gut. Die Insel hat Ihnen natürlich herrlich gesunde und schmackhafte Produkte zu bieten. Es gibt genug Restaurants, um sie zu probieren. Oder besuchen Sie den Biobauernhof, die Forellenzucht oder die Hollumer Mühle, um diese handwerklichen Produkte einzukaufen, und kochen Sie sich selbst ein leckeres Essen. Und falls auch Sie zu der Gruppe gehören, die aus welchem Grund auch immer nichts schmeckt und riecht… dann genießen Sie die Textur und Farbe der Speisen. Auch das geht, ich weiß es aus Erfahrung. Wie auch immer Sie es betrachten, riechen, hören, fühlen und schmecken: Ich wünsche allen einen eindrucksvollen Aufenthalt auf Ameland!

Das Watt

Das Watt

Kolumne aus „Nat Zand“, Juli 2022

„Für den einen ist es wie Schiphol, für den anderen ein Kindermärchen…"

„Schau, da sitzt der Pilot des Schiffes!“, höre ich eine erwachsene Frau sagen, während die Fähre anlegt. „Er hat auch so ein weißes Hemd mit Streifen auf den Schultern, genau wie bei der KLM.“ Wahrscheinlich genießt die Dame einen Mann in Uniform, aber den nennt man normalerweise doch Kapitän oder Schiffer… Auf derselben Überfahrt fragt sich ein Mitreisender, was diese großen grünen und roten Schwimmer in einer langen Reihe im Meer dort zu suchen haben. Jetzt kann ich mich nicht zurückhalten. Ich erkläre, dass es Bojen sind. Dass sie das Fahrwasser markieren und die Fähre zwischen ihnen hindurchfährt, damit wir auf See nicht auf Grund laufen, denn es ist nicht überall gleich tief. Der Mann schaut mich an, als hätte ich ihm erzählt, das Wasser brenne. Wir kommen in Nes an, und der Mann von eben sagt: „Die Pont ist da“. Bei einer Pont denke ich an ein kleines Boot, das einem hilft, einen Fluss oder Kanal zu überqueren, aber dieser Mann sieht das offenbar anders. Ich kann es mir nicht verkneifen, kurz zu googeln, und sehe, dass die Definition von Pont tatsächlich sehr weit gefasst ist. Auch eine Fähre, die lange Strecken zurücklegt und Autos befördert, kann als Pont bezeichnet werden. Wieder etwas gelernt.

Ebbe und Flut sind auch so etwas, worüber Unklarheit entstehen kann. Mein Schwiegervater, Wattschiffer Theo Mosterman, hatte bei seinen Rundfahrten immer eine schöne, märchenhafte Geschichte über die Gezeiten, an die ich eigentlich selbst gern glauben wollte. Er sprach die Gäste über das Mikrofon an und sagte: „Sehen Sie, dass das Meerwasser, das wir heute Morgen noch gesehen haben, jetzt fast ganz weg ist? Wir schauen jetzt auf den Meeresboden. Ich erzähle Ihnen, wie das kommt. Als wir heute Morgen abgefahren sind, stand hier auf dem Steg ein kleiner Junge, der Eimerchen mit Meerwasser verkaufte. Offenbar hat er gute Geschäfte gemacht, denn das Meer ist fast leer!“

Das Watt, wir alle erleben es auf unsere eigene Weise. Vielen Insulanern liegen Ebbe und Flut im Blut. Für manche Touristen ist es vielleicht eher wie eine Freizeitpark-Attraktion oder ein völlig neues Reiseerlebnis mit nautischen Begriffen, von denen man keine Ahnung hat. Aber was macht das schon, nennen Sie es, wie Sie möchten, und genießen Sie es!

Froukje Mosterman-de Groot, Juni 2022

Gäste gehen vor ... in allem?

Gäste gehen vor ... in allem?

Kolumne aus „Nat Zand“, Juli 2021

„Mem, du hattest doch Erdbeeren und leckeren Aufschnitt für unser Frühstück gekauft? Aber der Kühlschrank ist jetzt leer. Es sind auch keine Eier mehr da, und wo ist das frische Brot geblieben?“ Mein anderer Sohn schaut schon wieder mit diesem bedenklichen Gesicht, das sagt: ‚ja klar, es ist wieder so weit‘: Last-Minute-Ankünfte, die Frühstück dazugebucht haben. Wir haben also wieder Pech und essen Cracker mit Erdnussbutter.

Ein vertrautes Bild für Ferienunternehmer auf Ameland; wir tun unser Bestes, um es den Gästen recht zu machen. Das geht manchmal ziemlich weit. Aber natürlich gibt es Grenzen. Den Mann, der fragte, ob ich ihm persönlich das Frühstück ans Bett bringen könnte, musste ich dann doch enttäuschen. Vielleicht hätte ich am Rugby-Wochenende kurz gezögert (nur in Gedanken natürlich). Unser Frühstücksraum ist ganz in der Nähe, kommen Sie einfach dorthin.

Nun ja, das Unternehmen ist eigentlich ‚unser drittes Kind‘, das manchmal an erster Stelle zu stehen scheint und fast immer seinen Willen bekommt. So landen bei uns zu Hause die Jacken seit Kurzem wieder auf dem Boden statt ordentlich an der Garderobe. Für die Wohnungen waren nämlich zu wenige geliefert worden, also: unsere abschrauben und in den Wohnungen aufhängen. Wegen der Hochsaison kann es Monate dauern, bis bei uns zu Hause eine neue hängt. If ever. Zum Glück erinnern mich die Löcher in den Wänden daran, neue zu kaufen.

Mein Glück ist, dass mein Mann und die Jungs nicht einmal bemerken, wenn unser eigener neuer Couchtisch gegen ein beschädigtes Exemplar mit Weinflecken und festgebackenem Nagellack getauscht wurde. Sie benutzen selbst auch keine Untersetzer, deshalb liegen sie deswegen nicht wach. Das karge Frühstück ärgert sie allerdings schon.

Damit die Bewertungen auf den Buchungsportalen gut bleiben, wohnen wir in einer Art Secondhand-möbliertem Haus. So stehen jetzt auch drei Lampen und vier Staubsauger im Wohnzimmer, mit denen ‚etwas nicht stimmt‘ und die deshalb von ‚der Front‘ abgezogen werden mussten. Durch die Corona-Maßnahmen war die Lieferung vieler Waren sehr unzuverlässig geworden. Lieferzeiten für Möbel, Maschinen, Bettwäsche: Es ist russisches Roulette, wann es auf Ameland ankommt. Ich hatte schlaflose Nächte, weil die neuen Wohnungen für das folgende Wochenende schon gebucht waren, die Topper für die Betten aber nicht geliefert wurden. Was tun Sie dann? Die Gäste enttäuschen und ihr Wochenende absagen? Sie ahnen es sicher schon… Ich habe in der Woche danach nicht besser geschlafen, die Gäste aber schon, denn meine weichen neuen Topper wurden aus dem Haus geschleppt und kamen auf die Matratzen der Gäste, um deren Schlafkomfort zu garantieren.

Das ging wirklich zu weit, fand mein Mann: dass man selbst als schlechte Schläferin wach liegt, damit die Gäste den eigenen Topper haben! Ach ja, nach so einer guten Nacht brauchen sie wenigstens kein Frühstück im Bett, sondern haben genug Energie, um zum Frühstücksraum zu gehen, so muss man das eben sehen.

Froukje Mosterman-de Groot 

Ameland, das Ibiza der Niederlande. Oder?!

Ameland, das Ibiza der Niederlande. Oder?!

Kolumne aus De Amelander

Wenn man diese Kolumne im Dezember schreiben darf, liegt es nahe, auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Als Ferienunternehmerin auf Ameland fand ich es ein turbulentes Jahr. Nach Pressekonferenzen kamen Stornierungswellen. Und die Lücken, die durch das Ausbleiben unserer östlichen Nachbarn entstanden, wurden schnell wieder mit Niederländern gefüllt. Ein Teil dieser niederländischen Gäste kam zum ersten Mal auf eine Watteninsel. Früher hatten sie sich für Mallorca oder Ibiza entschieden. In diesem Jahr war Ameland für sie das Ibiza der Niederlande.


Diese Touristen, meist Städter, mussten sich manchmal erst noch an den ländlichen Charakter von Ameland gewöhnen. So fragte mich ein verblüffter Gast besorgt: „Haben Sie keine Angst, dass es hier nachts im Innengarten voller Obdachloser wird? Die übernachten doch bestimmt auf diesen weichen Loungesofas, denn um die Gebäude herum gibt es überhaupt keinen abschließbaren Zaun!?!“ Eine Umstellung also. So saß in diesem Sommer auch eine Familie aus Rotterdam 15 Minuten vor Abfahrt der letzten Abendfähre noch entspannt an ihrer Ferienunterkunft. Alle Appartements waren ausgebucht, und ich wusste, dass sie an diesem Morgen ausgecheckt hatten, um nach Hause zu fahren. Also rief ich schnell ein Taxi, damit sie die Fähre noch erreichten. 'Ach, gnädige Frau, wir nehmen einfach die nächste!' Nein, die Fähre ist keine U-Bahn, die ständig kommt und geht. Es ist Hochsaison, die ganze Insel ist ausgebucht, also bleibt als einzige Übernachtungsmöglichkeit dieses weiche Loungesofa (für den nicht existierenden Obdachlosen) im Innengarten. Ich erinnere mich auch an die Familie, die 2 Tage früher nach Hause fuhr, weil sie eine Entdeckung gemacht hatte… Enttäuscht standen sie an der Rezeption und fragten: „Gibt es auf Ameland wirklich keinen McDonald’s? Dann wollen unsere Kinder aber keine ganze Woche hierbleiben!“ Ich habe sie noch auf den köstlichen (ebenfalls frittierten) Kibbeling aus unserem Fischgeschäft in Nes hingewiesen, aber es half nichts. Sie fuhren zurück aufs Festland, trotz des herrlichen Wetters. Manche Gäste hatten sogar Probleme, Ameland überhaupt zu erreichen… Ich konnte mir das Lachen kaum verkneifen, aber ich hatte auch ein wenig Mitleid, als ich mit folgender Frage angerufen wurde: „Wir kommen heute nicht, denn wir stehen in Harlingen in der Schlange, aber hier fährt keine Fähre nach Ameland?“
Aber noch einmal zurück zur Heimreise, die war für unsere 'Ibiza-Urlauber' auch eine große Sache. Eine Dame steht nachdenklich neben ihrem Mietfahrrad, neben sicher 20 Taschen voller neuer Kleidung und anderer schöner Einkäufe von Ameland. „Können Sie das Mietfahrrad für uns zurückbringen und ein Taxi zur Fähre rufen? Wir haben viel zu viel gekauft und trauen uns so nicht Rad zu fahren!“ Natürlich, regeln wir. Schwieriger zu regeln fand ich den abgereisten Gast, der mit der Frage anrief: „Wir sind jetzt zurück in Holwerd, aber wir sehen unser Gepäck nirgends, und der Fahrradverleiher sagte, das ginge alles in Ordnung...!“ Nein, mein Herr, das hätten Sie schon selbst auf die Fähre bringen müssen. „Wieso, wenn ich an mein Urlaubsziel fliege, sorgen die doch auch dafür, dass das Gepäck an Bord kommt?!“ Tja, es war also für Gäste und Insulaner gleichermaßen eine Umstellung. Die All-inclusive-Gäste der Mittelmeerresorts hatten uns nun gefunden und erwarteten Service, Service, Service von der Ferienunternehmerin… „Würden Sie heute Abend auf unseren Hund und unser Baby aufpassen, damit wir schön ausgehen können?“ und „Haben Sie einen Leihhund für den Strand?“ Ich sah darin ein Geschäftsmodell: die Kombination mit der Babysitter-Anfrage der anderen Gäste, so kann man neben dem Hund sogar noch ein Baby ausleihen.

Ich bin sicher, dass ein Teil dieser Gäste nach Ameland zurückkehren wird, weil sie entdeckt haben, wie viel Naturschönheit wir zu bieten haben. Wie schön war der Moment in diesem Sommer, als das Mädchen aus Rotterdam sagte: „Wow! Wie besonders, wir hatten noch nie einen echten Schmetterling gesehen!“ Und wie sehr hat sie die Erdbeeren und Himbeeren in unserem Innengarten genossen, auch wenn sie zuerst zweifelte, ob sie nicht aus Plastik waren. „Kann man das Obst hier im Garten wirklich essen?“
Willkommen in unserer Welt, liebe Randstädter. Ich schließe mich der Kampagne Liefde voor Ameland an, und gehen wir davon aus, dass wir 2022 alle gemeinsam die Ruhe, die Weite und die Natur genießen können. Denn Ameland ist außergewöhnlich schön, auch ohne McDonald’s.

Froukje Mosterman-de Groot